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Sophie und Herr Leibniz
Liebe Grundschulkinder, wenn Ihr zu uns auf die Leibnizschule kommt, wollt Ihr sicher auch gerne wissen, wer dieser Leibniz eigentlich gewesen ist, nach dem unser Gymnasium benannt ist. Deshalb empfehlen wir Euch die folgende Geschichte. Eine Schülerin der Leibnizschule, die 2008 bei uns Abitur gemacht hat, hat sie in einem Projekt im Deutschunterricht geschrieben, als sie im 10. Schuljahr war. Viel Spaß beim Lesen! Sophie und Herr Leibniz Als Sophie am Abend vor ihrer Einschulung auf das Leibnizgymnasium ins Bett ging, war sie ein bisschen aufgeregt und hatte wieder dieses lustige Kribbeln im Bauch, was sie immer vor Weihnachten oder auch vor ihrem zehnten Geburtstag vor drei Wochen hatte. Schon lange freute sie sich auf den Montag nach den Sommerferien, weil sie dann endlich auf ihre neue Schule gehen konnte. Sie fragte sich, was sie dort wohl alles erwarten würde. Und als sie sich so ihre Gedanken machte, fiel ihr auf, dass sie gar nicht wusste, wer eigentlich dieser Mann war, nach dem das Leibnizgymnasium benannt ist. Sie kletterte noch einmal aus dem Bett, schlich ins Wohnzimmer und holte das große Lexikon ihres Vaters. Als sie, wieder in ihrem Zimmer angekommen, unter LEIBNIZ nachschlug, fand sie eine große Seite voller kleiner Buchstaben mit einem Bild von dem Mann, der wohl Leibniz sein musste.Die viele Schrift nicht scheuend begann sie neugierig zu lesen, doch nach einer Weile merkte sie, wie ihre Gedanken ihr entglitten und sie an einen ganz anderen Ort brachten. Sie konnte diesen zunächst gar nicht erkennen, doch dann fiel es ihr ein: Sie befand sich auf dem Schulhof ihrer neuen Schule, den sie ein paar Tage zuvor zusammen mit ihrer Mutter besucht hatte. Sophie sah sich um und stellte fest, alleine zu sein. Selbst die Tischtennisplatten waren nicht wie gewohnt von vielen Kindern umringt. Doch da, in der Mitte des Hofes auf der Bank neben dem großen Baum, sah Sophie jemanden sitzen. Als sie näher heran ging, erkannte sie einen älteren Mann, der dort saß und sie nett anlächelte. „Guten Tag“, sagte dieser freundlich. „Hallo, ich heiße Sophie, und wer sind Sie?“, fragte das etwas verunsicherte Mädchen. „Mein Name ist Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz. Aber es genügt, wenn du mich Herr Leibniz nennst.“, antwortete dieser und lächelte. Auch Sophie musste lächeln, nicht zuletzt wegen der lustigen Klamotten des Mannes, seines weißen Halstuchs mit Rüschen und seiner plusterigen Jacke, sowie wegen der etwas seltsamen Frisur mit den vielen langen Locken, die der freundliche Mann trug. „Ich habe vor Kurzem erst über Sie gelesen“, begann Sophie ein Gespräch. „Stimmt es, dass sie schon als Achtjähriger begonnen haben Latein zu lernen?“ „Ja, das stimmt. Ich habe in der Bibliothek meiner Eltern viele Bücher über die lateinische Sprache gefunden und sie mir selbst beigebracht, ebenso wie Griechisch.“ Sophie war beeindruckt, dass Herr Leibniz schon so früh begonnen hatte so schwere Sprachen zu lernen. Jetzt war sie neugierig geworden und wollte mehr über den netten alten Mann erfahren. „Wann haben Sie denn Geburtstag und wo kommen Sie her?“, fragte sie. „Ich bin am 1. Juli 1646 in Leipzig geboren. Dort lebte ich mit meiner Mutter und meinem Vater, der Juraprofessor war.“ „Ich habe gelesen, dass auch Sie Jurist waren und Philosoph.“, sagte Sophie. „Nicht nur das.“, erwiderte Herr Leibniz schmunzelnd. „Ich bin auch Mathematiker, Physiker und Techniker. Außerdem habe ich Bücher geschrieben und Geschichte und Sprachen erforscht.“ Sophie staunte nicht schlecht. Sie hatte bis jetzt nur Leute kennen gelernt, die einen oder höchstens zwei Berufe hatten. Herr Leibniz bemerkte das etwas verdutzte Gesicht des Mädchens und erklärte: „Man nennt Leute, die sich in so vielen Wissenschaften auskennen, Universalgelehrte. Ich will ja nicht angeben, aber ich bin einer der letzten der Neuzeit gewesen.“ „Und wo haben Sie all das gelernt?“, wollte Sophie wissen. „Unter anderem an Universitäten. Ich habe in Leipzig und Jena Philosophie und Jurisprudenz studiert und mich nebenbei intensiv mit Mathematik, Logik und Physik beschäftigt. 1666 habe ich dann in Altdorf bei Nürnberg zum Doktor promoviert. Später wurde mir eine Stelle als Hofrat, also als Berater, bei dem Mainzer Kurfürsten Johann Phillip von Schönborn angeboten, die ich annahm. Dieser hat mich dann in einer politischen Mission für vier Jahre nach Paris geschickt. Dort habe ich mich in meiner Freizeit bei vielen berühmten Mathematikern weitergebildet.“ „Ich war auch schon mal in Paris. Mit meinen Eltern in den letzten Sommerferien. Da ist es schön, finden Sie nicht auch?“, warf Sophie ein. „Oh ja, das finde ich auch. Du scheinst ja schon viel gereist zu sein. Warst du auch schon mal in London? Da bin ich nämlich 1673 hingereist, weil ich in die Londoner Akademie aufgenommen wurde. Später, als ich wieder in Paris war, habe ich mich vorerst auf die Mathematik konzentriert und habe die Infinitesimalrechnung im Oktober 1675 erfunden, ohne diese gäbe es heute in deiner Welt zum Beispiel keine Computer.“ „Das ist ja toll! Nein, in London war ich noch nicht.“, sagte Sophie, die sich mittlerweile neben Herrn Leibniz auf die Bank gesetzt hatte, und fragte weiter: „Hatten Sie außer Reisen noch andere Hobbys?“ „Zunächst habe ich mich 1676 wieder auf den Weg nach Deutschland gemacht, um dort in Hannover für den Herzog Johann Friedrich als Bibliothekar zu arbeiten, du musst nämlich wissen: Ich liebe Bücher! Als ich 1682 dann wieder in Deutschland war, habe ich erfahren, dass es in Leipzig eine wissenschaftliche Zeitschrift namens „acta eruditorum“ gab, an der ich mich sofort als Mitarbeiter beteiligen wollte. Dort habe ich dann häufig meine mathematischen und naturwissenschaftlichen Forschungsergebnisse veröffentlicht. Aber es gab auch Dinge, die mir weniger Spaß gemacht haben. Das war zum Beispiel im Jahr 1685, als ich vom Herzog von Hannover den Auftrag bekam, die Geschichte des Herrschergeschlechtes der Welfen zu schreiben. Aber auch so etwas muss ordentlich und gut gemacht werden. Zum Schluss waren alle so begeistert von meinem Werk, dass ich sogar als Stammvater der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung, die nennt man übrigens Historiographie, bezeichnet wurde. Das führte so weit, dass ich zwischen 1687 und 1690 in diesem Zusammenhang nach Wien, Italien und noch in andere europäische Länder geschickt wurde.“ „Sind Sie immer allein gereist, oder hatten Sie Freunde, die mitgefahren sind?“, erkundigte sich Sophie. „Da früher das Reisen sehr teuer, zeitaufwändig und auch manchmal gefährlich war, bin ich meistens allein mit ein paar Dienern unterwegs gewesen. Aber ich hatte Freunde, wie zum Beispiel die Prinzessin Sophie Charlotte von Hannover, die mich beim Ausbau der Systematisierung meiner neuartigen philosophischen Vorstellungen unterstützte. Wir haben auch zusammen im Jahr 1700 in Berlin die „Societät der Wissenschaft“ gegründet, von der ich Präsident wurde. Später haben wir die Errichtung weiterer Akademien in Dresden und Wien geplant.“ „Eine Prinzessin, die fast den gleichen Namen hat wie ich!“, freute sich Sophie und sie fragte: „Haben Sie noch mehr Adelige kennen gelernt?“ „Aber natürlich.“ , sagte Herr Leibniz nicht ganz ohne Stolz. „Sophie ist überhaupt ein sehr schöner Name, er kommt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet „Weisheit“. Aber nun zu deiner Frage: Ich war zum Beispiel seit 1711 wissenschaftlicher Berater des russischen Zaren Peter I., der mich zum Geheimen Justizrat ernannte. Mit ihm habe ich außerdem die Errichtung einer Akademie in St. Petersburg geplant. Einige Jahre später habe ich dann Georg Ludwig von Hannover geholfen, die englische Königskrone zu bekommen. 1712 überkam mich, obwohl ich für die damaligen Verhältnisse schon ein alter Mann war, mal wieder das Fernweh. Also verbrachte ich die Zeit bis 1714 in Wien, wo ich 1713 zum Reichshofrat ernannt wurde. Aber auf Fernweh folgt bekanntlich Heimweh, weswegen ich 1714 wieder nach Hannover zurückkehrte, um dort für Georg Ludwig von Hannover zu arbeiten.“ „Schon wieder ein Adeliger!,“ stellte Sophie vergnügt fest. „Ich finde es übrigens toll, dass meine Schule nach ihnen benannt ist.“ Doch plötzlich hielt sie inne, denn von irgendwo aus dem Hintergrund hatte sie ein komisches, rasselndes Geräusch? Wo kommt das nur her?“ Doch als sie sich zu ihm hinwandte, war er schon fast nicht mehr zu sehen. Wie alles um sie herum verlor auch er alle Konturen und schien sich in Luft aufzulösen. Sophie rieb sich die Augen und als sie sie wieder öffnete, saß sie nicht mehr auf der Bank auf dem Schulhof, sondern in ihrem Bett. Neben ihr lag das dicke Lexikon und das seltsame Geräusch war ihr Wecker. Sie musste schmunzeln, als sie feststellte, das alles nur geträumt zu haben. Doch kaum war sie richtig wach, hüpfte sie aus ihrem Bett und begann ihren großen Tag voller Vorfreude und Spannung auf all das, was sie an diesem Vormittag an der Leibnizschule erwarten sollte. |
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