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Förderung besonders begabter Schüler und Schülerinnen

„Begabte Schülerinnen und Schüler setzen sich überall durch.” Diese Meinung galt auch an der Leibnizschule, bis wir merkten, dass begabte Schülerinnen und Schüler zuwenig Förderung erfuhren. Hinsichtlich der Begabungen gilt es zu differenzieren. Sicher hatten und haben wir an der Schule hochbegabte Schülerinnen und Schüler, die sich zusätzliche Herausforderungen außerhalb der Schule suchen, wenn ihnen die schulischen Angebote nicht ausreichen. Die Erfahrung zeigt, dass diese Schülerinnen und Schüler nicht ohne weiteres auffallen. Sie „haken” den schulischen Stoff - sicher nicht ohne Gewinn - schnell „ab”, erbringen auch außerhalb ihres eigentlichen Interessengebietes hervorragende Leistungen und sind gleichzeitig im innerschulischen Bereich, z.B. in der Schülervertretung, aktiv. Sie machen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge etwa 1,5% eines Jahrgangs aus.
Von diesen sind die 25 bis 30% Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs abzugrenzen, die ein höheres als das übliche Lerntempo einschlagen könnten, weil sie schneller auffassen und intensiver und leichter lernen (können) als die übrigen Schülerinnen und Schüler.

Aber es gab und gibt auch die anderen Fälle:
  • diejenigen, bei denen intellektuelle Befähigung und Arbeitsbereitschaft nicht mit der psychosozialen Entwicklung harmonieren,
  • die einseitig Begabten sowie
  • solche Schülerinnen und Schüler, deren Hochbegabung sich nicht ohne weiteres erkennen lässt, die sogenannten „underachiever”. Deren Zahl ist zwar allem Anschein nach geringer als vielfach angenommen, aber gerade bei deren Förderung (soweit diese überhaupt von öffentlichen Schulen geleistet werden kann) sind wir auf die Hilfe des schulpsychologischen Dienstes angewiesen.
Wir sind dabei, ein Konzept der Begabtenförderung schrittweise umzusetzen und weiterzuentwickeln. Was im folgenden dargestellt wird, ist also zum Teil der Stand unserer Arbeit, zum Teil ihr Ziel. In diesem Beitrag wird das Spektrum des schulischen Lebens entfaltet. Vieles von dem, was hier nur angedeutet wird, ist in den folgenden Beiträgen im einzelnen ausgeführt.
Gemeinsame Förderung Wir gehen von dem Grundsatz aus, dass Spitzen- und Breitenförderung sich nicht ausschließen, sondern einander bedingen und ergänzen. Insofern hat zunächst die gemeinsame Förderung aller Schülerinnen und Schüler an unserer Schule Priorität. Es ist uns wichtig, besonders begabte Schülerinnen und Schüler zu fördern und gleichzeitig für ihre soziale Einbindung zu sorgen.
Dazu ist ein schulisches Klima erforderlich, in dem Schülerinnen und Schüler mit besonderer Begabung sich menschlich angenommen fühlen. Sie dürfen keine Starrolle spielen, ihre besondere Leistung soll aber akzeptiert, gefördert und gleichzeitig dazu genutzt werden, auch die Mitschüler voranzubringen. Diese wiederum dürfen nicht das Gefühl haben, „zweite Wahl” zu sein. Das ist ein Balanceakt, der hohe pädagogische Sensibilität erfordert. Probleme, die dennoch auftreten können, sind in Gesprächen und durch Anstrengung aller Beteiligten zu lösen.
Eigeninitiative ermöglichen Des weiteren müssen besonders begabten Schülerinnen und Schülern Freiräume gewährt werden, die sie benötigen, damit sie ihren speziellen Begabungen nachgehen können. Viele dieser Schülerinnen und Schüler bedürfen kaum schulischer Impulse; sie organisieren ihre Zeit und handeln selbständig. Es darf also in solchen Fällen nicht kleinlich darauf gesehen werden, wie viele Unterrichtsstunden versäumt werden, wenn dafür z.B. außerschulische (akademische) Kurse besucht oder Konzertverpflichtungen erfüllt werden. Wichtig ist auch, dass die Schulleitung gegenüber Neidern deutlich macht, dass die vermeintliche Großzügigkeit, die diesen Schülerinnen und Schülern im Einzelfall gewährt wird, unter dem Aspekt der Förderung gerechtfertigt ist.
Angebote schaffen Damit aber kann es nicht sein Bewenden haben. Denn wir wollen ja nicht nur Förderung ermöglichen, sondern auch selbst fördern. Dies kann selbstverständlich nicht in allen Bereichen gleich gut und gleich intensiv geschehen. Allerdings ist ein qualitativ ausgewogenes Angebot auf hohem Niveau in allen Fächern Voraussetzung dafür.
In der Oberstufe z.B. suchen wir durch die Entzerrung von Zeitleisten vielfältige Wahlmöglichkeiten zu eröffnen. Das führt zum Teil zu einer hohen Stundenbelastung für die Schülerinnen und Schüler und erfordert eventuell zusätzliche Lehrerstunden. Wer aber bereit ist, an jedem Freitagnachmittag um 15.00 Uhr noch einen zweistündigen Unterricht zu absolvieren, ohne dass die Note in die Abiturwertung einfließt, der zeigt ein so großes Interesse an der Sache, dass zusätzliche Lehrerstunden gerechtfertigt sind. Die übrige Unterrichtsversorgung darf dadurch allerdings nicht beeinträchtigt werden.
Die Arbeit in der Sekundarstufe I ist ähnlich organisiert. Der Wahlpflichtunterricht wird durch Arbeitsgemeinschaften ergänzt, und beide Veranstaltungen stehen Interessierten auch über die Jahrgangsstufen 9 und 10 hinaus offen. Dabei soll es sich auch um Angebote außerhalb der üblichen Schulfächer handeln wie Astronomie, Philosophie, Film, Medientechnik, Schach. Sie sind derzeit noch von der Lehrerzuweisung abhängig, sollen künftig aber fest etabliert werden.
Für das Angebot „Film” kommt es uns zugute, dass wir den ältesten Jugendfilmclub Deutschlands im Hause haben. Von ihm wird ein eigenes kleines Kino für 60 Personen betrieben. Die - auch personelle - Nähe zum ZDF wirkt sich hier günstig aus.
Die Gründung der AG Medientechnik war notwendig, um die Beleuchtungs- und Tontechnik unserer Aula auf einen Stand zu bringen, der professionellen Anforderungen entspricht. Seitdem ist die Anzahl der Veranstaltungen in der Aula sprunghaft gestiegen. Bei beiden Angeboten - Film und Medientechnik - geht es darum, Schülerinnen und Schüler mit moderner Licht- und Tontechnik vertraut zu machen und ihnen Verantwortung für technische Organisation und finanzielle Disposition zu übertragen. So beteiligen sie sich an der Intensivierung der schulischen Außenwirkung. Gleichzeitig werden bei diesen Angeboten - wie auch in den musikalischen Ensembles - Schülerinnen und Schüler unterschiedlichen Alters und unterschiedlichen Leistungsvermögens zusammengeführt.
Fachliche Schwerpunkte Profilbildende Schwerpunkte an der Leibnizschule sind derzeit Musik, Mathematik und Naturwissenschaften, Fremdsprachen und Ökologie.
Als Gymnasium mit Schwerpunkt Musik fördern wir musikalische Talente durch
  • Ausweitung des Unterrichtsumfangs (Jahrgangsstufen 5 bis 10: 12 Wochenstunden statt 8 Stunden gemäß Stundentafel),
  • Musikunterricht am Instrument (Klassenmusizieren),
  • Ausleihe von Instrumenten und Vermittlung von Einzelunterricht,.
  • Einbindung in unsere Ensembles (Sing- und Spielkreis, Orchester, Big Band, Chor),
  • vielfältige Möglichkeiten zu öffentlichem Auftritt,
  • Kooperation mit Instrumentallehrern,
  • Kooperation mit dem Landesjugendorchester und dem Landesjugend-Jazzorchester,
  • Teilnahme an Musikwettbewerben.
Mathematische und naturwissenschaftliche Talente fördern wir durch
  • einen schuleigenen Mathematik-Wettbewerb (LuaMa),
  • Teilnahme am Landes- und Bundeswettbewerb Mathematik,
  • Teilnahme an der Mathematikolympiade,
  • verstärkten Unterricht in den Naturwissenschaften (Experimentalunterricht),
  • Teilnahme am Wettbewerb „Jugend forscht”.
Im fremdsprachlichen Bereich
  • bieten wir neben Latein als moderne Fremdsprachen Englisch, Französisch und Spanisch (nach Möglichkeit zusätzlich Italienisch) an,
  • haben wir Partnerschaftsaustausch mit Schulen in Frankreich, Irland und den USA,
  • pflegen wir Kontakt zu ehemaligen Schülerinnen und Schülern in den genannten Ländern sowie via Internet zu ausländischen Universitäten,
  • nehmen wir regelmäßig am Bundeswettbewerb Fremdsprachen teil.
Diese Angebote stehen nicht isoliert, sondern berühren sich innerhalb der einzelnen Bereiche, aus denen unsere Schülerinnen und Schüler auswählen können. Dennoch bleibt für uns noch die Aufgabe, den konzeptionellen Bezug zu stärken und die Angebote sinnvoll um das Fundamentum zu gruppieren, in dem alle Schülerinnen und Schüler ausgebildet werden sollen.
In beiden Sekundarstufen besteht ein ökologischer Schwerpunkt.
Dieser ist in den Fächern Erdkunde und Biologie verankert mit

  • Exkursionen (z.B. in die Alpen und das Wattenmeer) sowie
  • projektorientiertem und fächerübergreifendem Unterricht.
Darüber hinaus sind weitere profilbildende Maßnahmen entweder bereits fester Bestandteil des Schulprogramms oder in Vorbereitung:
  • Informatik wird derzeit als Schwerpunkt aufgebaut.
  • Präventive Maßnahmen für Gesundheit und psychische Stabilisierung der Schülerinnen und Schüler sowie gegen Sucht und Gewalt sind konzipiert.
  • Für die Jahrgangsstufe 5 ist eine zusätzliche Stunde „Lernen lernen” eingerichtet.
  • Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern soll zu „Schulsanitätern” ausgebildet werden.
  • Eine Mediationsgruppe (Schüler schlichten Schülerstreit) wird demnächst gebildet.
  • Die Jahrgangsstufe 8 nimmt an einem 30-stündigen Computerkurs teil, der den Einsatz in allen Fächern ermöglicht.
  • Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 leisten Betriebspraktika ab. In der Oberstufe bildet die Vorbereitung auf die Studien- und Berufswahl einen Schwerpunkt.
Verkürzter gymnasialer Bildungsgang
Schülerinnen und Schüler, die imstande sind, schneller zu lernen, können im Rahmen des verkürzten Bildungsganges (G 8-Zug) das Abitur schon nach zwölf Schuljahren erreichen. Sie sollen einerseits in einer möglichst homogenen Gruppe besonders lernfähiger und lernwilliger Schülerinnen und Schüler lernen können, andererseits aber bewusst mit anderen gemeinsam gefördert werden.

Weiterreichende Angebote Daneben steht die Teilnahme an Wettbewerben in fast allen unterrichtsrelevanten Bereichen. Auch wenn unsere Schule kein Leistungszentrum für Sport ist, wird doch Talentförderung angeboten und regelmäßige Teilnahme an regionalen und überregionalen Wettkämpfen ermöglicht. Projekte mit der Architektenkammer Hessen (Kunst, Sozialkunde, Geschichte), zwei Leipziger Schulen und einer israelischen Schule (Deutsch, Geschichte, Gemeinschaftskunde, Kunst) stellten und stellen für unsere Schülerinnen und Schüler einen besonderen Anreiz dar, sich mit Fragestellungen auseinanderzusetzen, die über den schulischen Alltag hinausführen.
Für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 bietet die Leibnizschule (als Vertreterin des Landes Hessen) die Teilnahme am „Modell Europa-Parlament” an, einer Initiative, die sich für den Europagedanken einsetzt und die Arbeit europäischer Parlamentarier simuliert. Die Schülerinnen und Schüler, die bei einer Sitzung im Sitzungssaal des Bundesrates als beste deutsche „Parlamentarier” ausgewählt werden, vertreten Deutschland dann als Delegierte bei einer europäischen Sitzung in der Hauptstadt eines europäischen Landes. Die Verhandlungssprache bei allen Sitzungen ist Englisch.
Der Leistungskurs Gemeinschaftskunde der Jahrgangsstufe 12 nimmt an der Wirtschaftswoche eines großen Wiesbadener Unternehmens teil und erhält so Einblick in Unternehmensführung.
Gern melden wir unsere Schülerinnen und Schüler für die Kurse der Deutschen Schülerakademie an und sind stolz, wenn sie nach dem Abitur ein Hochbegabtenstipendium erhalten. Im Fachunterricht und im Rahmen der Berufs- und Studienberatung, die an unserer Schule eine erhebliche Rolle spielt, suchen wir engen Kontakt zu Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. Wir planen, deren Angebote verstärkt für unsere Unterrichtsarbeit zu nutzen.

Frühzeitiges Studieren
Einzelnen Schülerinnen und Schülern ermöglichen wir bereits während der Schulzeit den Besuch von Hochschulveranstaltungen. Dies zielt auf zusätzliche Motivation und eventuelle Verkürzung der späteren Studienzeit. Bisher erfolgte dies in den Fächern Musik, Chemie, Philosophie und Französisch. Die im Semester erbrachten Leistungen werden nach Bestehen der Abiturprüfung von der Universität testiert.



 
 
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